Willy Stieber
12. Mai 1888 Wandsbek
15. Februar 1947 Sowjetisches Speziallager 1 / Mühlberg
Willy Stieber
Der aus Norddeutschland stammende Willy Stieber wird Lehrer. In Halle an der Saale findet er an einem Gymnasium Arbeit und wird dort Studienrat. Politisch fühlt er sich den Zielen der SPD verpflichtet. Als überzeugter Demokrat ist er Mitglied im Reichsbanner. Im Ortsverein Halle der Republikschutzorganisation tritt er wegen seiner Position als Lehrer jedoch nicht offiziell in Erscheinung.
Seine öffentliche Zurückhaltung im Reichsbanner ist vermutlich der Grund dafür, dass er mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 nicht aus dem Schuldienst entlassen wird – anders als viele Gleichgesinnte. Allerdings wird er in seinem beruflichen Fortkommen behindert und ist Überwachungsmaßnahmen durch die Gestapo ausgesetzt.
Nach dem Ende der NS-Herrschaft beteiligt er sich in Halle am Neuaufbau des Schulwesens und wird zum Direktor einer Oberschule ernannt. In der SPD ist er erneut aktiv. Ab Dezember 1945 werden im Rahmen der Vorbereitung der Vereinigung von KPD und SPD in der Sowjetischen Besatzungszone Tausende vereinigungsunwilliger Sozialdemokraten erpresst und bedroht. Willy Stieber wird aus ihm nicht bekannten Gründen Ende Februar 1946 von der sowjetischen Besatzungsmacht verhaftet und im Zuchthaus Roter Ochse in Halle festgehalten. Drei Monate später wird er nach Torgau in das Sowjetische Speziallager Nr. 8 verlegt und im Januar 1947 in das Sowjetische Speziallager Nr. 1 bei Mühlberg an der Elbe. Die Haftbedingungen in den sowjetischen Speziallagern sind äußerst schlecht. Willi Stieber stirbt wenige Wochen nach seiner Ankunft im Speziallager Nr. 1 an den Entbehrungen der Haft.