Rudolf Simsch
6. August 1932
Der Bildhauer und Stuckateur Rudolf Simsch übt im Reichsbanner-Gau Oberschlesien ehrenamtliche Funktionen aus. Zuletzt wird er 1931 Vorsitzender des Reichsbanner-Kreises Leobschütz, einer von insgesamt sieben Kreisen im Gau. Mit seiner Familie lebt er in Nassiedel, einem kleinen Ort nahe der tschechischen Grenze. Im April 1931 organisiert er im Nachbarort Hochkretscham eine Veranstaltung, die zur Gründung eines Reichsbanner-Ortsvereins führt. Dieses Bauerndorf gilt als Hochburg des demokratiefeindlichen Stahlhelms und der NSDAP. Bei der vom Reichsbanner veranstalteten Verfassungsfeier, die 1931 erstmals überhaupt in Hochkretscham stattfindet, tritt Simsch als Festredner auf.
Der Wahlerfolg der NSDAP bei der Reichstagswahl vom 31. Juli 1932, aus der die rechtsextreme Partei als stärkste Fraktion hervorgeht, hat die Gewaltbereitschaft eines Teils ihrer Anhänger erheblich verstärkt. Am 6. August 1932 versucht eine Gruppe von Nationalsozialisten, in das Leobschützer Volkshaus, Zentrum der Arbeiterbewegung der Kreisstadt, einzudringen. Die Bewachung durch das Reichsbanner lässt den Versuch scheitern. Fünf Nationalsozialisten und ein Reichbanner-Mann werden dabei verletzt.
Rudolf Simsch fährt am Abend desselben Tages, wahrscheinlich aus Leobschütz kommend, mit dem Fahrrad nach Hause. Auf der Straße zwischen den Ortschaften Krug und Hochkretscham wird ihm in den Rücken geschossen. Anschließend wird er mit zwei Kopfschüssen regelrecht hingerichtet. Passanten finden zwei Tage später die Leiche des 40-Jährigen im Straßengraben. Vermutet wird ein politischer Racheakt.