Joseph Schreiber


22. Juli 1932 Bunzlau

Der 52 Jahre alte Joseph Schreiber lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in der schlesischen Stadt Bunzlau. Er ist Mitglied in der SPD und engagiert sich im Reichsbanner für die Errungenschaften der Weimarer Verfassung.

Adolf Hitler kommt im Zuge einer Propagandareise anlässlich der Reichstagswahlen Ende Juli 1932 nach Schlesien. Am 22. Juli tritt er unter anderem im knapp 50 Kilometer entfernten Liegnitz auf. Zahlreiche Anhänger der NSDAP reisen mit LKWs an und passieren dabei auch Bunzlau. Durch Rufe und Gesten machten einige SA-Männer auf der Hinreise deutlich, dass sie in Bunzlau mit ihren Gegnern „abrechnen“ wollen. Bei der Rückfahrt aus Liegnitz halten mehrere LKWs vor dem in der Durchgangsstraße gelegenen Volkshaus, dem Zentrum der Bunzlauer Arbeiterbewegung. Einige hundert SA-Männer setzen mit Schusswaffen zum Sturm auf das Volkshaus an, das jedoch durch Mitglieder des Reichsbanners und der Eisernen Front gesichert ist. Es entwickelt sich ein blutiger Kampf, bei dem zahlreiche Menschen schwer verletzt werden. Joseph Schreiber, der an der Eingangstür als Wache im Einsatz ist, wird bei dem ersten Vordringen der SA von einem Schuss getroffen und ist sofort tot.

Die Polizei greift erst spät in das Geschehen ein und drängt die SA-Männer schließlich ab. Mit Verzögerung setzen noch vor Ort erste Untersuchungen ein, die jedoch nicht zur Ermittlung des Täters führen.

Die Beisetzung von Joseph Schreiber erfolgt unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und Beteiligung des Reichsbanners, der Eisernen Front und der kommunistisch dominierten Antifaschistischen Aktion.

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