Fritz Ferkau
20. Dezember 1913 Kamen
28. Juli 1932 Kamen
Im April 1932 werden die nationalsozialistischen SA und SS wegen zunehmender Gewalttaten per Notverordnung reichsweit verboten. Unmittelbar nach der Aufhebung dieses Verbots am 14. Juni 1932 eskaliert die politisch motivierte Gewalt erneut. Besonders im Vorfeld der für den 31. Juli 1932 angesetzten Reichstagswahl kommt es überall im Reich zu gewaltsamen Übergriffen von Rechtsextremisten.
Der 18-jährige Bergmann Fritz Ferkau ist in Kamen im Jungbanner, der Jugendabteilung des Reichsbanners, aktiv. Drei Tage vor der Wahl ist er mit dem Reichsbanner das erste Mal überhaupt zu einem Saalschutz-Einsatz ins rund sechs Kilometer entfernte Unna unterwegs. Am Ortsausgang kommen den in drei Trupps laufenden rund 100 Reichsbanner-Männern zehn Mitglieder der SA und SS auf Fahrrädern entgegen. Als die politischen Gegner auf gleicher Höhe sind, kommt es zu verbalen Ausschreitungen, die schnell in Handgreiflichkeiten umschlagen. Im Verlauf der Übergriffe fallen mehrere Schüsse, unter denen Fritz Ferkau zusammenbricht. In den Rücken getroffen, wird er ins Krankenhaus gebracht, wo er kurz nach seiner Einlieferung stirbt.
Wenige Tage später steht Kamen im Zeichen seines Begräbnisses. Aus dem gesamten Reichsbanner-Gau Westliches Westfalen kommen tausende Reichsbanner-Männer in die Industriestadt. Am Trauerzug nehmen mehrere Tausend Einwohner teil, ebenso viele säumen die Straßen.
Der zunächst vermutete Todesschütze, ein SA-Mitglied, wird vom Sondergericht Dortmund freigesprochen. Wegen Landfriedensbruchs und schweren Raufhandels werden sieben Reichsbanner-Mitglieder zu mehrmonatigen Haftstrafen verurteilt.