Heinrich Bräuer

1897
7. Dezember 1924 Bankwitz

Bereits zehn Monate nach der Gründung des Reichsbanners hat der Bund in seinen eigenen Reihen das erste Opfer politisch motivierter Gewalt zu beklagen. Zuvor war es besonders im Reichsbanner-Gau Niederschlesien zu tätlichen Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern des Republik-Schutzbundes und politisch rechtsstehender Verbände gekommen, die von Polizei und Staatsanwaltschaft vergleichsweise einseitig verfolgt wurden.

Am Abend vor der Reichstagswahl im Dezember 1924 zieht zu später Stunde eine Gruppe von Mitgliedern der demokratiefeindlichen Vereinigung Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten durch Bankwitz. Ihr lauter Gesang treibt einige Bewohner des kleinen schlesischen Dorfes auf die Straße. Das Reichsbanner-Mitglied Heinrich Bräuer ist zusammen mit drei Kollegen auf dem Heimweg und betrachtet die Marschkolonne. Nachdem ein Stahlhelm-Mitglied von einem geworfenen Stein getroffen wird, fallen mehrere Männer aus der Gruppe über die Dorfbewohner her. Mit Gummiknüppeln schlagen sie auf Umstehende ein, so auch auf den schwer kriegsverletzten Bräuer. Dieser stürzt bereits durch den ersten Hieb zu Boden, muss aber trotzdem zahlreiche weitere Schläge erdulden. Den schweren Verletzungen erliegt der 27-jährige Familienvater am nächsten Tag.

Die Generalstaatsanwaltschaft Breslau leitet zunächst strafrechtliche Ermittlungen wegen Totschlags ein. Sie werden wegen Aussichtslosigkeit jedoch nicht weiter verfolgt. In den kommenden Jahren organisiert das Reichsbanner mit Mitgliedern aus umliegenden Ortschaften und nahegelegenen Städten regelmäßig Gedenkveranstaltungen am Grab von Heinrich Bräuer.

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